Caspar Vogl (†1606)
Ein Justizopfer
Nach den niedergeschlagenen Bauernkriegen von 1525/1526 blieb die Furcht vor neuen Aufständen im Erzstift Salzburg präsent. Jede Form von Kritik oder kollektiver Äußerung bäuerlicher Interessen wurde als potenzielle Bedrohung wahrgenommen und rief entschiedene Reaktionen hervor.
In diesem Spannungsfeld bewegte sich auch Caspar Vogl (†1606), Sohn eines Gastwirts aus Zell am See, der vier Jahrzehnte im Dienst des Erzstifts stand. Nach seiner Tätigkeit als Gerichtsschreiber wurde er im Jahr 1601 zum Pfleger von Kaprun, Landrichter in Zell am See und Urbarprobst von Fusch ernannt. Caspar Vogl war somit für die Verwaltung und Rechtsprechung sowie für kirchliche Aufgaben verantwortlich und galt als wichtiger Vertreter der landesfürstlichen Autorität vor Ort.
Unter dem Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau verschärfte sich die wirtschaftliche Lage zunehmend. Vor dem Hintergrund seiner Prunksucht und damit einhergehender hoher Ausgaben beabsichtigte Raitenau eine Neubewertung der grundherrschaftlichen Abgaben. Zur Feststellung seiner – in den Urbaren geregelten – Besitzrechte sollten zwei Kommissäre ins Gebirge entsandt werden. Als die Bauern von diesem Vorhaben hörten, befürchteten sie eine drastische Erhöhung der Belastungen. Die Abgaben wurden bereits vielerorts als drückend empfunden.
Um dem Vorhaben des Fürsterzbischofs entgegenzuwirken, setzten Bauern aus dem Pinzgau eine Bittschrift auf, in der sie ihre Lage schilderten und Erleichterungen einforderten. Zu den maßgeblichen Beteiligten gehörten Hans Kheil, ein im heutigen Zeller Ortsteil Bruckberg tätiger Rossschneider bäuerlicher Herkunft, sowie Stefan Guthund, der aus der Gegend von Piesendorf stammte und als Bauer in Vorderglemm lebte.
Caspar Vogl und sein Zeller Gerichtsschreiber Christoph Seeleutner griffen zunächst nicht gegen das nachvollziehbare Vorgehen der Bauern ein, was später als Nachlässigkeit oder stillschweigende Zustimmung ausgelegt wurde. Als jedoch der Pfleger von Werfen, Josef Niggl, den Vorgang nach Salzburg meldete, setzte die Obrigkeit eine Untersuchung in Gang.
Eine Kommission befragte Vogl, ohne zunächst belastbare Hinweise auf eine Beteiligung an einem Aufruhr zu finden. Auf Weisung Wolf Dietrichs wurden die Ermittlungen jedoch verschärft, wobei die Kommissäre zu dem Ergebnis kamen, dass die Zeller „das Feuer“ entfacht hatten. Die Reaktion der Regierung fiel rasch und entschieden aus. Aus Furcht vor Unruhen ließ der Landesherr militärisch eingreifen und die als führend betrachteten Rädelsführer Kheil und Guthund festnehmen. Der Gerichtsschreiber Seeleutner konnte nach Kärnten fliehen. Vogl wurde nach Salzburg vorgeladen und inhaftiert. Trotz seiner wiederholten Beteuerungen, keine Aufwiegelung unterstützt zu haben, blieb er im Zentrum der Untersuchungen und wurde unter Zwang weiter verhört.
Anfang November 1606 erging schließlich das Todesurteil gegen Caspar Vogl, Hans Kheil und Stefan Guthund. Die Hinrichtung erfolgte kurz darauf in Salzburg. Bereits Zeitgenossen sahen in diesem Vorgehen keine ausgewogene Rechtsprechung als vielmehr ein abschreckendes Exempel, das künftige Unruhen verhindern sollte.
Der Fall Caspar Vogl verdeutlicht, wie stark die Angst vor bäuerlichen Erhebungen das Handeln der Obrigkeit bestimmte und wie schmal der Handlungsspielraum selbst für loyale Amtsträger sein konnte, wenn sie zwischen die Fronten von landesfürstlichen Interessen und lokalen Bedürfnissen gerieten. Zur Erinnerung an Caspar Vogl wurden im Zeller Ortsteil Schüttdorf und in der Gemeinde Kaprun Straßen nach ihm benannt. Zudem publizierte Hans Waltl im Jahr 1986 das Historienspiel „Caspar Vogl“, welches in den Jahren 1987 und 2006 auf der Burg Kaprun aufgeführt wurde.
Text: Angelika Gautsch
Literatur:
Scheutz, Martin und Tersch, Harald: Das Salzburger Gefängnistagebuch und der letzte Wille des Zeller Pflegers Kaspar Vogl (hingerichtet am 8. November 1606). In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 135 (1995), 689-748.
Thaler, Walter: Pinzgauer! Helden – Narren – Pioniere. Portraits aus der Provinz. Wien 2017, 25-29.