Auguste Caroline Lammer (1885-1937)
Pionierin in der Krise

Als erste und einzige Bankgründerin Österreichs durchbrach Auguste Lammer in einer von Männern dominierten Branche gesellschaftliche Grenzen. Ihr beruflicher Erfolg ließen sie als Pionierin erscheinen, als Frau, die sich aus einfachen Verhältnissen emporarbeitete und im wirtschaftlichen Leben von Zell am See eine prägende Rolle einnahm.

Auguste Lammer, 1885 in Wien als Auguste Caroline Hofbauer geboren, entstammte einfachen Verhältnissen. Bereits während ihrer Lehre als Bankangestellte übernahm sie verantwortungsvolle Aufgaben und bewies unternehmerisches Geschick. Durch ihre Heirat mit Max Ritter von Lammer gelang ihr zudem der gesellschaftliche Aufstieg in höhere Kreise.

Mit der Gründung des Reisebüros und der Wechselstube „M. & A. Lammer“ im Jahr 1910 in Zell am See traf sie auf einen Ort im Aufbruch. Der Tourismus florierte, begünstigt durch den Eisenbahnanschluss und die zunehmende Beliebtheit der „Sommerfrische“ beim Adel und Bürgertum. In diesem Umfeld konnte sich Lammer rasch etablieren. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Unternehmen des Ehepaars stillgelegt.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Max Lammer zwei Jahre lang als Geschäftsführer der „Kesselfall-Alpenhaus-Gesellschaft m.b.H.“ (K.A.G) tätig. Das Paar trennte sich und die Ehe wurde im Oktober 1920 geschieden. Auguste Lammer wurde im selben Jahr als Geschäftsführerin der K.A.G. eingesetzt und gründete gemeinsam mit Frank Whitehead das Bankhaus „A. Lammer & Co.“ am Stadtplatz von Zell am See. Als persönlich haftende Gesellschafterin wurde sie zu der ersten Frau in Österreich, die eine Bank gründete.

In den 1920er-Jahren erreichte Lammer in Zell am See den Höhepunkt ihres Einflusses. Ihre Bank genoss großes Vertrauen, sowohl bei lokalen Unternehmern als auch bei kleinen Sparern. Sie war wirtschaftlich und gesellschaftlich bestens vernetzt, pflegte Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern und beteiligte sich an zentralen Infrastrukturprojekten der Region, etwa am Bau der Großglockner-Hochalpenstraße und der Schmittenhöhebahn. Ihr Aufstieg war damit eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Pinzgaus verbunden.

Doch bereits Mitte der 1920er-Jahre zeigten sich strukturelle Schwächen des Bankhauses. Riskante Kreditvergaben, insbesondere an den spekulativen Adeligen Hugo von Grundherr, führten zu einer zunehmend finanziellen Schieflage. Grundherr, der Besitzer des Schlosses Mittersill war, konnte die Zinsen für seinen Kredit nicht mehr bezahlen. Er überließ deshalb der Lammer-Bank zur Veräußerung eine wertvolle Büchersammlung. Zudem bot der Schlossherr der Bank als Sicherheit das bis dahin unbekannte Gemälde „Madonna vor dem Kastell“ von Leoardo da Vinci an. Lammer erfuhr jedoch ein Jahr später, dass die Hälfte des Gemäldes einem italienischen Rechtsanwalt gehörte. Somit ließ sich das Bild in der Wirtschaftskrise nicht veräußern. Mit der steigenden Schuldenlast des korrupten Schlossbesitzers wurden weitere Kunstgegenstände sowie die gesamte Einrichtung des Schlosses der Bank überschrieben. Letztendlich musste 1929 das Schloss Mittersill versteigert werden – erworben wurde es von Auguste Lammer. Die finanziellen Probleme der Lammer-Bank blieben nach außen zunächst verborgen, während Auguste weiterhin als erfolgreiche Bankerin wahrgenommen wurde und 1931 sogar den Titel „Kommerzialrat“ erhielt.

Der entscheidende Einschnitt folgte Anfang der 1930er-Jahre. Die internationale Wirtschaftskrise und insbesondere die 1933 verhängte Tausend-Mark-Sperre durch das nationalsozialistische Deutschland führten zu einem massiven Einbruch des Tourismus in Zell am See. Gleichzeitig zogen ausländische Gläubiger ihre Gelder ab. In dieser Situation griff Lammer zu illegalen Mitteln, um den Bankbetrieb aufrechtzuerhalten, was den Zusammenbruch jedoch nur verzögerte.

1934 wurde der Bank die Konzession entzogen, 1935 folgte der Konkurs. Die Folgen für Zell am See waren gravierend: Zahlreiche Gewerbetreibende und insbesondere viele Kleinsparer verloren ihr Vermögen. Unter den Geschädigten befand sich als größter Gläubiger Georg Ritter von Trapp. Der sogenannte „Zeller Bankenskandal“ erschütterte die lokale Wirtschaft nachhaltig. Auguste Lammer wurde verhaftet und wegen Betrugs, Untreue sowie fahrlässiger Krida zu einer Haftstrafe verurteilt. Sie starb 1937 noch während ihrer Haft an den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Der Enkel der Bankgründerin, Peter Lammer, erklärte sich im Jahr 2012 dazu bereit, sich als symbolische Wiedergutmachung finanziell an der Sanierung des Kirchturms der Zeller Pfarrkirche zu beteiligen. Die Einweihung erfolgte am 15. August 2013.

Text: Angelika Gautsch

Literatur:

Gschwandtner, Martin: Auguste Caroline Lammer. Die tragische Geschichte der bisher einzigen Bankgründerin Österreichs. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 145 (2005), 227-264.

Thaler, Walter: Pinzgauer! Helden – Narren – Pioniere. Portraits aus der Provinz. Wien 2017, 117-121.

Wittner, Peter: Auguste C. Lammer. Die erste und einzige Bankgründerin Österreichs. Zell am See 2023 (Broschüre).